Integrale Praxis
Integrale Lebenspraxis, wie sie im Integralen Institut entwickelt wurde, ist kein neues spirituelles System, sondern ein effektiver und zeitgemäßer Rahmen, in den man jeden Ansatz für persönliches Wachstum auf eine sinnvolle Weise einordnen kann. Integrale Praxis ist ein Modell, das einen Rahmen für ganzheitliches und vielseitiges Üben bietet, dabei individuell gestaltbar bleibt und keine konkreten Übungen vorschreibt, sondern Wert darauf legt, in allen relevanten Lebensbereichen regelmäßig aktiv zu sein.
Das soll dem Einzelnen helfen, einen möglichst umfassenden, lückenlosen und harmonischen Weg der persönlichen Entwicklung zu beschreiten. Durch den Rückbezug auf die integrale Theorie versteht sich die integrale Praxis als ein Lebensentwurf, der klassische spirituelle Weisheit mit modernem wissenschaftlichen Denken und postmodernen Einsichten verbindet.
Im integralen Tantra verknüpfen wir die Gedanken der integralen Lebenspraxis mit den Methoden aus dem klassischen Tantra und Yoga und dem westlichen Neo-Tantra, um zu großer Tiefe und Effektivität zu kommen.
Cross‐Training
Die zugrunde liegende Idee ist, dass die Wirkung spezifischer Praktiken steigt, je stärker man sie untereinander kombiniert. So wird jemand, der Psychotherapie mit Meditation verbindet, größere Fortschritte machen als jemand, der nur eins davon betreibt. Ich nehme dafür gerne die Metapher: Wenn vier Mann einen Schrank eine Treppe hochtragen wollen, fasst am besten jeder an einer Ecke an und nicht alle an derselben. In dieser Situation befinden sich aber Menschen, die nur ihren Körper trainieren, nur meditieren, nur Therapie machen oder sich nur mit Büchern beschäftigen. Ganzheitlicher und harmonischer kann ihre Entwicklung verlaufen, wenn man sich gleichermaßen dem Körper, dem Geist, der Meditation und der Arbeit am eigenen Schatten widmet.
Module
Der Kerngedanke hinter der integralen Praxis ist also recht einfach: Wenn du als Mensch vielseitig und nachhaltig wachsen willst, so trainiere die unterschiedlichen Schlüsselbereiche möglichst harmonisch und gleichmäßig
– diese Bereiche werden als sogenannte Übungs‐Module bezeichnet. Das Praxissystem besteht aus vier Kernmodulen, die auf jeden Fall zu berücksichtigen sind, und mehreren optionalen Nebenmodulen. Die Anweisungist: Wähle aus jedem Modul eine Praxis gemäß deiner Neigung und führe alle regelmäßig durch. Dabei kann der Praktizierende die Methoden, die ihm liegen, relativ frei wählen; wichtig ist vor allem, dass das Modul überhaupt trainiert wird.
Kernmodule
Als Kernmodule werden die Bereiche Körper, Verstand (Mind), Spirtualität und Schattenarbeit (Psychodynamik) bezeichnet. Integrale Praxis bedeutet, in jedem Bereich eine regelmäßige konsequente Praxis zu üben. Im integralen Tantra wäre eine von vielen Möglichkeiten Yoga und Pranayama (Körper), Beschäftigung mit integraler Theorie und alten Yoga-Weisheiten (Verstand), regelmäßige Mantra-Meditation (Spiritualität) und einmal die Woche Bonding-Psychotherapie und Einstellungsarbeit (Schatten).
Nebenmodule
Die integrale Praxis kennt noch verschiedene freiwillige Nebenmodule: Ethik, Arbeitsleben, Beziehung, Sexualität und Umgang mit Emotionen. Das integrale Tantra empfiehlt, die Bereiche Sexualität und Beziehung auf jeden Fall zu fokussieren, weil diese ja Kernbereiche tantrischer Praxis darstellen.
Weitere Vorschläge sind, sich mit dem eigenen Willen zu befassen (Willenstraining) und sich in einer Kunst zu üben.
Der Hauptteil des Buches "Integrales Tantra" beschäftigt sich mit Vorschlägen, wie die Praxismodule zu füllen und in die Tat umgesetzt werden können. Wichtig ist vor allem, sie in den Alltag einzubringen und so zu gestalten, dass sie organisch ins bisherigen Leben integriert werden können.

